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Kompetente PatientInnen – Was bedeutet dies für Health Professionals?

In der Schweizerischen Ärztezeitung vom 21. Oktober 2015 ist das Positionspapier des 4. Zukunftsforums 2015 publiziert worden. Ausgehend vom letztjährigen Thesenpapier hat das Trägernetzwerk von Kompetenzentwicklung in Humanmedizin (KHM-cap) am 14./15. April 2015 im Möschberg weitergedacht. Auch die Kompetenzanforderungen an die Health Professionals der Zukunft, die kompetente PatientInnen erfolgreich unterstützen, lassen sich mit KODE®X abbilden und werden nun über die SAeZ erstmals öffentlich zur Verfügung gestellt: PatientInnen werden immer kompetenter – ziehen wir mit!

Wegen der notwendigen Kürze des Artikels in der Schweizerischen Ärztezeitung hatte der folgende Textteil keinen Platz, weshalb wir ihn hier interessierten LeserInnen zur Verfügung stellen:

Die Prämisse war: HP als PartnerInnen für PatientInnen der Zukunft!

Für die vier Patientengruppen sind 2014 folgende 12 Schlüsselkompetenzen (priorisiert nach Wichtigkeit) als Basis für ihre Kompetenzen identifiziert worden: 1) Selbstmanagement, 2) Eigenverantwortung, 3) Entscheidungsfähigkeit, 4) Offenheit für Veränderungen, 5) Optimismus, 6) Beurteilungsvermögen, 7) Folgebewusstsein, 8) Initiative, 9) Beharrlichkeit, 10) Belastbarkeit, 11) Lernbereitschaft, 12) Kommunikationsfähigkeit.

Was zeichnet Patientenkompetenzen-fördernde HP aus? Was machen sie anders?

Mit dieser Frage blicken wir auf die vier unterschiedlichen Patientengruppen, dargestellt in je einer exemplarischen Kurzgeschichte, die das Leben schrieb:

(1)   Gesunde/R Bürger/In

Es gehören zu dieser Gruppe zusätzlich zu den 12 Basiskompetenzen folgende vier Kompetenzen: 13) Beziehungsmanagement, 14) Integrationsfähigkeit, 15) Konflikt­lösungs­fähigkeit, 16) Schlagfertigkeit.

Eine in der 26. Woche schwangere Frau und ihr Partner melden sich mit Grippesymptomen in der Poliklinik der Frauenklinik. Bei der Ultraschalluntersuchung wird zufällig ein Polyhydramnion (überdurchschnittlich grosse Fruchtwassermenge) entdeckt, was als Softmarker mit einer langen Liste von Differentialdiagnosen verbunden ist und weitere Abklärungen zur Folge hat. Die Fruchtwassermenge kann sich aber auch spontan wieder normalisieren. Die beiden wollen in 3 Tagen in die lange geplanten Ferien nach Übersee verreisen. Besonders der Partner will sich das Recht, mit seiner Partnerin zusammen selbst entscheiden zu dürfen, auf keinen Fall beschneiden lassen. Im Gespräch mit der besorgten Hebamme, die auf mögliche Gefahren hinweist, damit Ängste auslöst und die Entscheidung zu beeinflussen versucht, kommt es zur Eskalation. Sie fragt sich zusammen mit der verantwortlichen Ärztin, ob eine Gefährdung des Kindswohls besteht.

Für die ideale HP stehen die beiden Menschen und nicht die Symptome im Vordergrund. Sie wird die Wichtigkeit der Ferien erfassen, das Autonomiebedürfnis der beiden stärken und auf die damit verbundene Verantwortung auch für das zukünftige Kind hinweisen. Über Massnahmen und Untersuchungen informiert sie verständlich, zeigt Alternativen auf und involviert ihrerseits zeitgerecht die weiteren HPs, unter anderem die Ärztin, sodass am Schluss von dem Paar ein tragfähiger Entscheid getroffen werden kann.

(2)   Notfallmässig erkrankte/R Patient/In

Es gehören zu dieser Gruppe zusätzlich zu den 12 Basiskompetenzen folgende vier Kompetenzen: 13) Ausführungsbereitschaft, 14) Gestaltungswille, 15) Konsequenz, 16) Sachlichkeit.

Ein 83jähriger Patient zieht sich bei einem Treppensturz eine Oberarmfraktur zu und sucht selbst die Notfallstation eines mittelgrossen Spitals auf. Der zuständige Orthopäde empfiehlt eine offene Reposition und Plattenosteosynthese am nächsten Morgen. Das in solchen Fällen ebenfalls häufig angewandte, konservative Vorgehen (ohne Operation) wird nicht diskutiert. Das Umfeld des Patienten stellte sich die Fragen: Soll die Operation in diesem Spital durchgeführt werden? Wäre das Vorgehen gleich, wenn es sich stattdessen um eine 30jährige Frau handeln würde (Stichwort Narbe)? Was spricht für/gegen eine Operation?

Der ideale HP bei diesem (gemeinsam mit seinem Umfeld) kompetenten, akut erkrankten Patienten basiert auf einer gut funktionierenden Infrastruktur in einem ebensolchen Team, das unter einer klaren Führung organisiert ist. Bei Entscheidungen werden routinemässig die PatientInnen, die Angehörigen und die Pflege involviert. Inhaltlich sollen Ent­scheide evidenzbasiert getroffen werden, wozu eine ausführliche Anamnese und eine klärende und konstruktive Kommunikation der Erkenntnisse und Hypothesen gehört. Als Person strahlt dieser HP Ruhe aus, wird als „Kümmerer“ wahrgenommen, für den Menschen und nicht Krankheiten oder Fallzahlen im Vordergrund stehen.

(3)   Chronisch erkrankte/R Patient/In

Es gehören zu dieser Gruppe zusätzlich zu den 12 Basiskompetenzen folgende vier Kompetenzen: 13) Disziplin, 14) Kooperationsfähigkeit, 15) Organisationsfähigkeit, 16) Problemlösungsfähigkeit.

Eine 55jährigen Patientin leidet mit zunehmenden Schubhäufigkeiten und Begleiterscheinungen (insbesondere einem Morbus Crohn (chronisch entzündliche Darmerkrankung)) seit 18 Jahren an einer Polyarthritis, die seit 15 Jahren medikamentös behandelt wird. Mit depressiver Verstimmung und Erschöpfungszuständen wendet sie sich an eine Naturheilpraktikerin, welche mit Erfolg ein Ernährungscoaching durchführt. Die schulmedizinische Behandlung wird in Absprache mit dem Rheumatologen schrittweise reduziert.

Die ideale HP bei dieser kompetenten, chronisch erkrankten Patientin erfasst systematisch komplexe Situationen, bei denen sie auch die vorhandenen Ressourcen beachtet, Differentialdiagnosen berücksichtigt und mit den anderen involvierten HPs zusammenarbeitet. Sie kommuniziert realistische Zeithorizonte und findet die Balance zwischen kurz- und langfristigen Zielen. Die Eigenverantwortung der Patientin steht im Vordergrund, die HP erkennt und verstärkt die kleinen Siege. Als Person ist sie sich der Macht ihrer eigenen Gedanken bewusst, ist sorg­fältig in der Wortwahl und verfügt über und verhilft zu grosser Selbstwirksamkeitsüberzeugung.

(4)   Patient/In mit seltener Krankheit

Es gehören zu dieser Gruppe zusätzlich zu den 12 Basiskompetenzen folgende vier Kompetenzen: 13) Einsatzbereitschaft, 14) Fachwissen, 15) Ganzheitliches Denken, 16) Innovationsfreudigkeit.

Ein 45 jähriger Patient mit einem Marfan-Syndrom (durch eine Gen-Mutation verursachte seltene Krankheit mit Bindegewebsveränderungen) sucht in den Ferien auf Kreta wegen einer schmerzhaften Schwellung im Leistenbereich eine ihm unbekannte Hausärztin auf. Es ist Hochsaison und im Warteraum drängen sich die PatientInnen und ihre Angehörigen. Bei der kurzen Untersuchung sind die Leisten auf beiden Seiten unauffällig. Die Ärztin schickt ihn deshalb mit einer entzündungshemmenden Salbe zurück ins Hotel und sagt, er solle die schönste aller Inseln geniessen.

Die ideale HP bei diesem Patienten erfasst die aktuellen Anliegen des Patienten, kann die Symptome der akuten (Leistenschmerzen mit zahlreichen Differentialdiagnosen) von der seltenen Krankheit differenzieren und priorisiert Massnahmen sinnvoll. Sie erkundigt sich nach Befürchtungen des Patienten, der von mehreren Leistenhernien weiss, von denen bei Treffen der Marfan-Stiftung Schweiz die Rede war. Bei einem Fall musste sogar ein Stück des Darms reseziert werden, der in der Bauchwandlücke eingeklemmt worden war. Die Ärztin erkennt und kommuniziert offen die Grenzen ihres Wissens und anerkennt die Kompetenzen des Patienten. Sie aktiviert zudem das eigene und allenfalls das Netzwerk des Patienten für weitere Informationen und Einschätzungen und zeichnet sich durch eine kooperative Zusammenarbeit mit SpezialistInnen aus. Zudem sorgt sie dafür, dass erhobene Befunde für die weitere Behandlung des Patienten zur Verfügung stehen.

Lesen Sie in der heutigen Schweizerischen Ärztezeitung nach, welche Schlüsselkompetenzen der HP für den/die kompetente PatientIn der Zukunft entscheidend sein werden.

Wie sehen Sie die Zukunft des Gesundheitssystems?

Was wünschten Sie sich bezüglich Patientenkompetenzen?

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