31.12.2012 06:15 | Christoph A. Pfister | 1 Kommentare | Tags: Health Professionals, Qualität, Gesundheitsversorgung, Entwicklung, Institutionen, Kompetenzen

Kompetenzentwicklung oder Qualitätslabel in Humanmedizin?

Fortschrittliche, qualitativ hochstehende und ganzheitliche auf die Bedürfnisse unserer PatientInnen ausgerichtete Medizin – ein gutes Ziel, wozu uns auch das Gesetz verpflichtet. Aber über den Weg dahin gehen die Meinungen weit auseinander. Betroffen sind alle – am besten unterstützen wir uns gegenseitig.
Kompetenzentwicklung oder Qualitätslabel in Humanmedizin?

Qualitätsentwicklungsspirale [8]

Am 8. November 2012 hat die Arbeitsgemeinschaft für Qualitätssicherung in der Chirurgie (AQC) zur jährlichen Tagung eingeladen. Die Teilnahme wurde von den Fachgesellschaften mit 4 Credits anerkannt, so auch meiner (Anästhesie). Zudem finanzierte die Industrie die Tagung grosszügig und sie war deshalb für uns kostenlos. Der Name war Programm: Die Qualitätssicherung fokussiert auf Daten, messbare Parameter, wozu eine raffinierte Plattform (adjumed) programmiert worden ist. Das schafft Power gegenüber jenen, die (aus Kostengründen!?) die Kontrolle darüber gewinnen wollen, wer welche Therapie zu Gute hat oder applizieren darf.[1]

Am 27. November 2012 hat die FMH die Schweizerische Akademie für Qualität in der Medizin (SAQM) als Plattform für die konstruktive weiterführende Diskussion und Transparenz im Qualitätsbereich gegründet.[2] Auch hier geht es in erster Linie darum, die ärztlichen Positionen in der Qualitätsdebatte zu stärken. Bereits in zweiter Linie taucht aber der Anspruch auf, Austausch mit den Partnerorganisationen im Gesundheitswesen zu pflegen – als lernende Organisation, die über den eigenen Tellerrand hinausschauen will.[3]

In der Dezemberausgabe berichtet die Ärztegesellschaft des Kantons Bern (BEKAG) von den Bestrebungen des Verbandes deutschsprachiger Ärztegesellschaften (VEDAG) die Führerschaft im Bereich Qualität zu behalten und das Feld nicht einfach Ökonomen, Versicherern und Politikern zu überlassen.[4] Als Pilotversion wurde im Oktober 2012 das Qualitäts-Basis-Modul für HausärztInnen gestartet. Es soll Struktur- und Prozessqualitätsparameter in 10 Fokusfeldern erfassen (Stufe 1), diese danach mit Outcome-Parametern ergänzen (Stufe 2) und sie schlussendlich externen FachexpertInnen zur gemeinsamen Peer-to-Peer-Diskussion zur Verfügung stellen. Schon in der gleichen Ausgabe wächst dieser Initiative aber Widerstand entgegen und zwar aus den Reihen des Vorstandes der BEKAG. Es wird verlangt, dass für die ärztliche Qualitätsarbeit kein zusätzlicher Aufwand entstehen dürfe, dass die freie Berufsausübung nicht durch Prozessindikatoren eingeschränkt werden dürfe und drittens, dass wichtige Fachaspekte durch die Fokusfelder nicht abgedeckt seien.[5] Spannend ist das vorgeschlagene „Gegenmodell“. Es beschränkt sich auf die Evaluation der ärztlichen Fortbildung (Strukturqualität) und morbiditätsgewichtete Kosten-Nutzen-Analysen (Ergebnisqualität). Das heisst es muss konkret gar nichts verändert werden: Ersteres erledigen mittlerweile fast in allen Disziplinen die Fachgesellschaften, Letzteres werden früher oder später die Krankenversicherer zusammen mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) durchsetzen. Die dahinterliegende Strategie ist durchsichtig: Der Prozess der Patientenversorgung soll ohne weitere Kontrolle in den Händen der HausaerztInnen belassen werden.

Auch aus kritischer Distanz kann ich allen vier Positionen/Initiativen Positives abgewinnen. Unsere Gesellschaft hat sich von der Basis über die Parlamente bis in den Bundesrat entschieden, dass den ÄrztInnen im Gesundheitswesen eine ganz besondere Rolle zukommen soll. Anders liesse sich auch der unvergleichliche zeitliche und finanzielle Aufwand für die Aus- und Weiterbildung nicht legitimieren.

HumanmedizinerInnen sind in etwa 21 Tätigkeitsfeldern beruflich aktiv. Von 64 strategischen Kompetenzen (von denen Fachwissen genau eines ist!) wurden die folgenden sechs am häufigsten als Schlüsselkompetenz identifiziert: Beurteilungsvermögen, Ganzheitliches Denken, Glaubwürdigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit und Problemlösungsfähigkeit.([6] S.35) Schlüsselkompetenzen sind die entscheidenden Faktoren um in komplexen Systemen beruflich erfolgreich zu sein. Beispielsweise bedeutete die Kooperationsfähigkeit: sucht aktiv und konstruktiv unterschiedliche Sichtweisen, Meinungen, Erfahrungen und Vorschläge anderer und lernt aus ihnen.([7] S.191) Dies führt quasi automatisch zu einer verbesserten Problemlösungsfähigkeit und stellt den Führungsanspruch nicht in Frage, sondern begründet ihn erst.

Eine kompetenzorientierte Aus- und Weiterbildung schafft also erst die Voraussetzung, damit Qualitätsentwicklungsmodelle greifen können.

Wie schaffen wir diese Brücke? Haben Sie eine Idee? Ich freue mich über Ihre Kontaktaufnahme.



[1] http://www.aqc.ch/Willkommen-bei-der-AQC/Willkommen-bei-der-AQC.aspx (last access 30.12.12)

[2] Meyer, V.A. and M. Hersperger, Qualität im Fokus der Ärzteschaft - die FMH gründet die Schweizerische Akademie für Qualität in der Medizin SAQM. SAeZ, 2012. 93(48): p. 1777-8.

[3] Bosshard, C., Die SAQM - der sechste Sinn der Ärzteschaft. SAeZ, 2012. 93(48): p. 1775.

[4] Gubler, M., Das Qualitäts-Basis-Modul des VEDAG macht ärztliche Qualität sichtbar. doc.be, 2012(6): p. 5-6.

[5] Baumgartner, P., Ärztliche Qualitätsarbeit versus Qualität der ärztlichen Arbeit - (k)ein Gegensatz? doc.be, 2012(6): p. 7-8.

[6] Heyse, V. and A. Schircks, Kompetenzprofile in der Humanmedizin. Konzepte und Instrumente für die Ausrichtung von Aus- und Weiterbildung und Rekrutierung auf Schlüsselkompetenzen. Kompetenzmanagement in der Praxis. Vol. 8. 2012, Münster: Waxmann Verlag.

[7] Heyse, V., C.A. Pfister, and A. Schircks, KompetenzAtlas Humanmedizin (Schweiz), in Kompetenzprofile in der Humanmedizin - Konzepte und Instrumente für die Ausrichtung von Aus- und Weiterbildung auf Schlüsselkompetenzen, V. Heyse and A. Schircks, Editors. 2012, Waxmann: Münster. p. 154-216.

[8] Berwick, D.M. and T.W. Nolan, Physicians as leaders in improving health care: a new series in Annals of Internal Medicine. Ann Intern Med, 1998. 128(4): p. 289-92.

04.02.2017 21:41 Kommentar von Anonymous
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