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Home Unternehmen Projekt kompetente PatientInnen 3 1 Wohin soll die Reise gehen?

Wohin soll die Reise gehen?

Wohin soll die Reise gehen?

Ein Weg von tausend Schritten ist für die Raupe sehr kurz!

Mit einem Thesenpapier zur Frage Welche strategischen Kompetenzen brauchen PatientInnen im Gesundheitswesen der Zukunft? hat das Trägernetzwerk von KHM-cap[1] im Oktober 2014 zu einer öffentlichen Diskussion aufgerufen.4

Am 14./15. April 2015 fand das 4. KHM-Zukunftsforum zur Frage statt, über welche Kompetenzen Health Professionals im Gesundheitswesen der Zukunft (2030) verfügen sollen, damit sich PatientInnen notwendige Kompetenzen aneignen können und diese für sie persönlich und im Gesundheitssystem wirksam werden.5

Die Medizinethikerin Ruth Baumann-Hölzle hat die Problematik in einem Interview auf den Punkt gebracht: Je kränker ein Patient ist, je mehr er leidet, umso ausgelieferter ist er. Die Vulnerabilität des kranken Menschen führt zu starken Abhängigkeiten…. Darum reicht es nicht, dass ein Patient, eine Klientin einfach informiert wird. Es geht hier um Begleitung, Unterstützung und um die Befähigung zum Coping, also der Fähigkeit, mit Interformationen umzugehen.6

Die Förderung der Health Literacy / Gesundheitskompetenz wird von der WHO weltweit propagiert.7 Das zweite von 4 Zielen der Gesundheit2020–Strategie des Schweizerischen Bundesrates8, 9 lautet:

  • Chancengleichheit und Selbstverantwortung stärken, insbesondere Versicherte und PatientInnen stärken (Punkt 2.3)

Der Schweizerische Bundesrat hat am 24. Juni 2015 einen ausführlichen Bericht des Departements des Innern (EDI) zu drei parlamentarischen Postulaten (Kessler 12.3100, Gilli 12.3124 und Steiert 12.3207) zur Kenntnis genommen: Patientenrechte und Patienten¬partizipation in der Schweiz.9 Das EDI wird nun Vorschläge zur Besserstellung der PatientInnen vertieft prüfen. Zudem hat er in einer Studie im Herbst 2015 eine Erhebung der Gesundheitskompetenz in der Schweiz durchgeführt, die zeigt, dass besonders im Bereich Prävention über die Hälfte der Bevölkerung über ungenügende Kompetenzen verfügt, um im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesund­heit auswirken.[2]

Die Akademien der Wissenschaften Schweiz haben 2012 eine Roadmap für ein nach­haltiges Gesundheitssystem mit sieben Zielen formuliert. Das Siebte heisst:

  • Sowohl Public Health als auch die Eigenverantwortung des Bürgers sind gestärkt (Gesundheitskompetenz / Health Literacy)10

Paradoxerweise führen stark stigmatisierende Empfehlungen zum Gesundheitsverhalten (Adipositas, Nikotin) eher zum Gefühl nichts machen zu können und damit zu einer Abnahme der Selbststeuerung. Dies führt zu einer Zunahme unmoralischen Verhaltens (in Tests bis 50%!) und reduziert die Fähigkeit zur Impulskontrolle.11, 12

Auch das KHM-Trägernetzwerk geht davon aus, dass sich historisch betrachtet eine Entwicklung abzeichnet von bevormundeten PatientInnen bis in die 60er Jahre (medizinisches Patriarchat) über die informierten (70er Jahre: informed consent), die mündigen (80er Jahre: Patientenrechte), die autonomen (90er Jahre: shared decision) zu den kompetenten PatientInnen des neuen Jahrtausends, die zu Mit-ProduzentInnen ihrer Gesundheit werden. Bis in 15 Jahren wird eine schnell wachsende neue Patientengeneration mit For­de­rungen an das Gesundheitswesen treten, auf die sich Health Professional vorbereiten müs­sen.13